Mitteilungen aus dem Saterfriesisch-Büro
Meedelengen fon't Seeltersk-Kontoor

Dät Näiste




Wolter Jetten, 31.3.2026 Ju Ättergjucht häd et in sik: Google Gemini unnerstöänt nu Seeltersk. Foar do maaste Ljude skäl dät bloot ne uur Sproakoption weze, man foar ju Sproakmeenskup is dät daach aan groten Stap ätter digitoale Sichtboarkaid un Toukumsfäidegaid. Seelterfräisk heert tou do litste Sproaken fon Europa. Et rakt sowät 1.000 bit 2.000 Moanskene, do ju Sproake bale konnen. Juust deeruum is älke Foarm fon technologiske Stöän so gräzich wichtich. Nit bloot foar dän Ärhoold fon ju Sproake, man juust uum ju Sproake eenfacher tou bruken. Mäd ju Integration in een modärn KI-System as Gemini wädt Seeltersk toun eersten Moal Deel fon disse generative KI-Platfoarm. Brukere konnen ju Sproake aktiv ferweende un mäd Gemini skrieuwe. Gemini kon Täkste generierje, uursätte un eenfach kommunisierje. Deertruch rakt et näie Mugelkhaide: foar Oarbaid, Bildenge un kreative Anweendengen. Man wo goud is Gemini ap Seeltersk? Eerste Iendrukke wieze, dät ju KI eenfache Seken relativ goud moakje kon. Relativ goud hat, me kon Täkste ap Seeltersk generierje, do me sogoar leze un ferstounde kon, man et rakt Gjuchtskrieuw- un Stilfailere. Bie sture Formulierengen, idiomatiske Uutdrukke of uur Besunnerkaiden kumt dät Systeem an sien Gränsen. Dät is nit besunners ferwunderelk, toulääst basiert ju Kwalität fon sukke KI-Modälle sik läip ap do Trainingsdoaten, deerfon rakt et bie litje Sproaken fuul minner as bie do Groten. Daach uurwäächt ju positive Perspektive. Dan älke Bruuk ferbeteret ap loange Sicht do Systeme. Wan moor Moanskene Seeltersk digitoal bruuke, äntstounde moor Doaten, moor Sichtboarkaid un tou Besluut betere Stöän truch Technologien as Gemini. Disse Stap wist uk een wichtich Signoal: Digitoale Innovation mout nit bloot do grote Sproaken foarbeheelden blieuwe. Uk litje Sproakmeenskippen häbe aan Plats in ju KI-Toukumst. Google Gemini ap Seeltersk is noch nit perfekt, man dät is die Anfang. Fon nu of an wädt dät nit läiper, man bloot noch beter. Wät wie dälich sjo is ju läipste Version fon Gemini ap Seeltersk. Ju Toukumst foar generative KI ap Seeltersk lät also nit so min.  Hier konnen jie Gemini besäike un probierje! [...]
Henk Wolf, 2.2.2026 Das niederländische Wort genoeg und seine friesischen Kognate haben sich nicht ganz auf dieselbe Weise entwickelt. Sowohl ihre Bedeutung als auch ihre Stellung in Sätzen und Wortgruppen sind verschieden. Die friesischen Sprachen unterscheiden sich untereinander ebenfalls. Ich gebe hier für genoeg-Forscher eine kleine (mit großer Wahrscheinlichkeit unvollständiges) Übersicht über Unterschiede, die mir aufgefallen sind. Adjektivierung Der vielleicht auffälligste Unterschied ist, dass im Mooringer Friesisch nooch Flexionsformen hat, die ein wenig an die von Adjektiven erinnern, also mit unterschiedlichen Flexionsformen für die Ein- und Mehrzahl: nooch giilj (genug Geld) nooge manschne (genug Menschen) Ganz in die Klasse der Adjektive aufgenommen ist nooch allerdings nicht: Es kann keinen Artikel vor sich haben, und es bekommt im Gegensatz zu Adjektiven auch keine besondere maskuline Flexion: lakeren kafe (leckerer Kaffee) nooch kafe (genug Kaffee) noogen kafe (ausgeschlossen) Suffix In den friesischen Sprachen hat sich genoeg zudem zu einem Suffix entwickelt, das an Adverbien und an frei stehende Adjektive gehängt werden kann, zum Beispiel: fûldernôch (heftig genug – Westfriesisch) boaldenouch (bald genug – Saterfriesisch) gauenooch (schnell genug – Mooringer Nordfriesisch) Verschiedene dieser Formen sind als Adverbien lexicalisiert. Bekannte Fälle sind im Westfriesischen spitigernôch („bedauerlich genug“ = leider), likernôch („gleich genug“ = ungefähr) und kleardernôch („klar genug“ = offenbar). Neiernôch ist wiederum weniger gebräuchlich als sein niederländisches Gegenstück nagenoeg. Im Nordfriesischen gibt es zum Beispiel kiiwenooch („lästig genug“ = leider) und knååpenooch („knapp genug“ = kaum). Im Saterfriesischen existiert wied genouch („weit genug“ = bei weitem). Verneinbarkeit Ein auffälliger Unterschied zwischen dem Niederländischen und (wenigstens) dem Westfriesischen ist auch die Form der Verneinung. Bei nachgestelltem genoeg: Hij heeft geen geld genoeg. (regional) Hy hat gjin jild genôch. (normal) Bei pränominalem genoeg: Er zijn geen genoeg mensen. (ausgeschlossen) Der binne gjin genôch minsken. (normal) Bedeutungserweiterung zu „zu“ Interessant ist weiterhin, dass im Westfriesischen und im Saterfriesischen die Formen für genoeg nicht nur „jenseits der Grenze des Erwünschten“, sondern auch „jenseits der Grenze des Unerwünschten“ bedeuten können. In dieser letzten Bedeutung sind sie synonym mit te („zu“). Häufig steht dabei ein betroffenes Dativobjekt. Hier einige westfriesische Beispiele aus dem Internet: En dan, om mysels primityf neame to litten giet my fier genôch.(Und dann, mich primitiv nennen zu lassen, geht mir zu weit.) It meanen binammen wier in wirk, dat him op it lêst dregernôch waerd.(Das Mähen besonders war eine Arbeit, die ihm schließlich zu schwer wurde.) De studint wier oars net gau ferbûke; mar dit wier him slimmernôch.(Der Student war sonst nicht schnell verärgert; aber das war ihm zu schlimm.) Und hier noch ein Beispiel auf Saterfriesisch: Die knuchede läip genouch.(Er hustete zu stark.) Diese doppelte Bedeutung kann zu Unklarheiten führen. Wenn etwa ein Fotograf sein Modell bittet, ein Stück zurückzutreten, damit eine schöne Komposition entsteht, kann er sagen: Sa is it fier genôch!(So ist es weit genug / zu weit.) Damit kann gemeint sein, dass die erreichte Entfernung genau richtig für ein gutes Foto ist – oder aber, dass das Fotomodell zu weit weg steht. Duzendsgenouch Schließlich ist interessant, dass das Saterfriesische eine verstärkte Form besitzt: duzendsgenouch („tausendgenug“ = mehr als genug). Das Niederländische hatte zwar overgenoeg, aber in der Zeitungssammlung auf Delpher kommt dieses Wort 1927 zum letzten Mal vor, und ich wage zu behaupten, dass wir es als ausgestorben betrachten können. Zuerst in niederländischer Sprache auf der Website Neerlandistiek/Frisistyk erschienen:https://neerlandistiek.nl/2026/02/verschillen-tussen-het-nederlandse-genoeg-en-zn-friese-cognaten/ [...]
Henk Wolf, 2.10.2025 Wer etwas Komplexes lernt, beherrscht die neue Fähigkeit nicht sofort, sondern klettert schrittweise von einer Zwischenstufe zur nächsten. Wer dabei einen zu großen Sprung wagt, kann sein Ziel verfehlen und verdattert zurückbleiben. Ein guter Didaktiker weiß ungefähr, welche Art von Unterstützung Lernende auf ihrem Weg zu den unterschiedlichen Zwischenstufen benötigen und welches Verhalten eher hinderlich ist.Das Wissen über die Didaktik sprachlicher Kompetenzen hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen und ist in zahlreiche Entwicklungsmodelle eingeflossen. Ein in Fachkreisen bekanntes Beispiel ist das literarische Kompetenzmodell des niederländischen Wissenschaftlers Theo Witte, das sechs Lernstufen bis zur Beherrschung des Literaturlesens unterscheidet. In vielen niederländischen Schulen werden Kinder jetzt gezielt mit passenden Büchern und geeigneten Verarbeitungsaufgaben Schritt für Schritt zu kritischen Lesern ausgebildet. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Kinder zunächst Freude am Lesen entwickeln müssen. Falsche Bücher oder ungeeignete Aufgaben hindern sie daran, diese erste Stufe zu erreichen. Eine weitere Einsicht ist, dass das Interesse am Schreibstil erst entsteht, wenn die Kinder bereits viel gelesen haben und sich daran gewöhnt haben, in Phantasiewelten einzutauchen. Dieser Prozess kann viele Jahre dauern.Beim breiten Publikum etwas bekannter ist der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen, der sechs Stufen der kommunikativen Beherrschung einer Fremdsprache unterscheidet. Dieses Modell bildet die Grundlage vieler Sprachkurse in Europa, die häufig mit den Referenzrahmen-Niveaus A1, A2, B1, B2, C1 und C2 gekennzeichnet werden.Es zeigte sich, dass der Europäische Referenzrahmen sich vor allem für große Kultursprachen eignet und weniger für Regional- oder Minderheitensprachen wie Niederdeutsch und Friesisch. Das lässt sich anhand einiger praktischen Beispiele leicht erklären: Wer Englisch oder Spanisch auf Niveau A2 beherrscht, kann eine Speisekarte entziffern. Speisekarten auf Saterfriesisch existieren aber nicht, da es sich nicht um eine ausgebaute Schriftsprache handelt und im Alltag nur im Bekanntenkreis verwendet wird. Auf Niveau C2 kann man eine akademische Vorlesung halten oder einen wissenschaftlichen Artikel verfassen. Wie man dies auf Plattdeutsch tut, wissen jedoch selbst die Muttersprachler nicht, da die Sprache in diesen Domänen kaum genutzt wird.Der niederländische Sprachsoziologe Reitze Jonkman hat daher ein alternatives Kompetenzmodell für die friesische Sprache in der niederländischen Provinz Friesland erarbeitet und geprüft. Dieses “Referinsjeramt Frysk” findet im friesischen Unterrichtswesen breite Anwendung. Gemeinsam mit Reitze Jonkman habe ich einen Teil seines Modells für das Saterfriesische bearbeitet und getestet. Es zeigte sich, dass es wenigstens in der Anfängerphase die Fortschritte von Saterfriesischlernern angemessen beschreibt.José Bruining, Niederländischdozentin an der NHL Stenden Hogeschool, und ich haben mehrere solcher Lernmodelle verglichen und festgestellt, dass viele Parallelen bestehen. Die meisten unterscheiden sechs Lernstufen. Zuerst gibt es zwei sogenannte “Schnupperstufen”, auf denen Vertrautheit mit der Materie und Motivation aufgebaut werden. Auf den Stufen 3 und 4 wird eine alltägliche, noch relativ oberflächige Beherrschung aufgebaut. Stufe 4 entspricht ungefähr dem Abiturniveau. Die Stufen 5 und 6 bilden Expertenwissen.In einem gemeinsamen Beitrag ziehen wir den Schluss, dass viele betrachtende Aspekte des Sprachunterrichts in Schulen, etwa die Grammatikdidaktik oder das Verständnis sprachlicher Vielfalt, oft nicht didaktisch fundiert sind und daher zu unbefriedigenden Ergebnissen führen. Wir vermuten, dass das Lernen solcher Kompetenzen sich nicht grundlegend vom Erwerb anderer sprachlicher Fähigkeiten unterscheidet und schlagen ein sechsstufiges Modell vor, das empirisch geprüft werden kann.Zu unserer großen Freude wird sich die Sprachwissenschaftlerin Mo van der Schoot von der Universiteit Utrecht im Rahmen ihres Promotionsprojekts mit dem Modell auseinandersetzen. Sie wird es gemeinsam mit einigen anderen Vorschlägen aus der Fachliteratur testen, um ein fundiertes Modell für das Erlernen von Grammatik zu entwickeln. So trägt ein Modell für das Lernen der friesischen Sprachen hoffentlich zu einer Professionalisierung der Grammatikdidaktik in vielen Ländern bei.Der Beitrag von José Bruining und mir erschien als Kapitel im niederländischsprachigen Band “Zodat taal boeit” (Damit Sprache fesselt), herausgegeben von Jimmy van Rijt und Marc van Oostendorp als Festschrift anlässlich der Emeritierung von Peter-Arno Coppen als Professor für Fachdidaktik an der Radboud Universiteit. [...]



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