Anleitung für sprachliche Assertivität: „Sprachpsychologie“

Wenn von neun Mitarbeitern in einer Organisation drei Saterfriesisch, drie Niederdeutsch und drei Hochdeutsch als Muttersprache haben, heißt das nicht automatisch, dass alle drei Sprachen gleich oft verwendet werden. In weitaus den meisten Fällen wird mehr Hochdeutsch als Plattdeutsch gesprochen und mehr Plattdeutsch als Saterfriesisch.

Das ist schade für die Sprachen und schade für die einzelnen Menschen. Für die Sprachen ist es schade, weil sie teilweise viel weniger zu hören oder lesen sind als die Sprecherzahlen vermuten lassen – und Sprachen, denen man kaum begegnet, lernt man auch nicht so gerne oder schnell. Für die einzelnen Menschen ist es schade, denn es sind immer die gleichen, die sich anpassen müssen und die nur in Ausnahmefällen ihre Lieblingssprache sprechen können, sogar im eigenen Sprachgebiet.

Nötig ist das nicht immer. Auch wenn die Kollegen die Sprache zwar nicht sprechen, aber nur verstehen können – oder gar bereit sind, sich Mühe zu geben – können Menschen mit kleinen Muttersprachen sich viel öfter als jetzt der Fall ist ihrer Lieblingssprache bedienen. Das gilt übrigens nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch an der Kasse, im Verein – und wo eigentlich nicht?

Um Menschen und Organisationen zu unterstützen, die Wert legen auf die Sprachenvielfalt und sprachliche Emanzipation in Norddeutschland, nimmt der Saterfriesischbeauftragte Teil im internationalen Listen-Projekt. Aus dieser Zusammenarbeit ist jetzt die Anleitung ‚Sprachpsychologie‘ hervorgegangen. Dieses Heft enthält Hintergründe und Übungen, die für Menschen im mehrsprachigen Norddeutschland relevant sind. Veröffentlicht wurde das Heft von der westfriesischen Sprachorganisation Afûk in Leeuwarden/Ljouwert.

In dem von der EU geförderten Listen-Projekt arbeiten Organisationen aus Norddeutschland, Fryslân (Niederlande), Wales, Irland, Rumänien und Valencia (Spanien) zusammen.

Weitere Informationen über das Listen-Projekt finden Sie hier.

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