Muttersprache

Henk Wolf, 5.10.2021

Es gibt viele guten Gründe, sich für Minderheitensprachen wie Saterfriesisch einzusetzen. Einige davon beziehen sich auf den Wert, den die Sprachen an sich oder für die Gemeinschaft haben. Auch was die Sprecher für diese Sprachen empfinden, ist jedoch wichtig. In einer Welt, wo Sprecher von kleinen Sprachen ständig hören, dass ihre Sprache irgendwie minderwertig sei und in der sie sich ständig den Sprechern der Mehrheitssprache anpassen müssen, soll dieses Argument nicht übersehen werden.

Dessen wurde ich mir heute wieder bewusst, als ich die Mail von einer Bekannten lies. Sie entschuldigte sich dafür, dass sie mir auf Deutsch schrieb – während sie sich sonst in einer anderen Sprache mit mir unterhält. Sie schrieb, dass sie krank sei und dass es ihr wegen Kopfschmerzen nicht gelinge, andere Sprachen als Deutsch – ihre Muttersprache – zu schreiben. Selbstverständlich habe ich volles Verständnis dafür und ich freue mich nur, dass sie sich in anderen Situationen soviel Mühe gibt, mit mir in einer Sprache zu kommunizieren, die mir nah am Herzen liegt.

Die Möglichkeit, die eigene Sprache zu verwenden, sollten eigentlich alle Menschen haben – wenigstens in ihrem eigenen Sprachgebiet. Sie ist jedoch in der Praxis den Sprechern von großen Sprachen vorbehalten. Der Friese, der Plattsprecher oder der Seelter kann wenn er krank ist nicht immer auf seine Muttersprache zurückfallen.

Um mehr Menschen dies zu ermöglichen setze ich mich für kleine Sprachen ein. Unter anderem.

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