Nie im Leben

Henk Wolf, 2.5.2022

Das Wort nie bedeutete bis vor ein paar hundert Jahren ‘bisher nicht’. Es kam nicht nur im Deutschen vor, sondern auch in den verwandten westgermanischen Sprachen, wie Niederländisch und Friesisch.

Ein solches Wort ist natürlich sehr unpraktisch und die deutschsprachigen Menschen haben die Bedeutung angepasst, damit es eine breitere Bedeutung erhielt: ‘bisher nicht, jetzt nicht,  künftig nicht – also: überhaupt nicht’.

Die niederländische Sprache hat völlig auf das unpraktische nie verzichtet. Es wurde im späten Mittelalter gegen ein neues Wort eingetauscht: nooit. Das bedeutet auch einfach ‘überhaupt nicht’.

Auch die Friesen haben ihr unpraktisches nie in den Mülleimer geschmissen. Die haben einfach ihr Wort für ‘nicht’ genommen: auf Saterfriesisch nit und auf Westfriesisch net – und das mit dem plattdeutschen’sien Leevdoage’ (seine Lebenstage) verstärkt: für ‘überhaupt nicht’ wurde also so etwas wie ‘während des Lebens nicht’ gesagt. Das ist doch sehr original gedacht!

Leider haben spätere Generationen vergessen, was ihre Eltern sprachlich für schönes erfunden hatten und im Saterfriesischen ist das schöne ‘sien Leevdoage nit’ allmählich zum unverständlichen silärge nit verzerrt. Die Westfriesen sagen es inzwischen gar nicht mehr, die haben später das niederländische nooit übernommen und unter Einfluß einer romantischen Bewegung kommt in der westfriesischen Schriftsprache auch eine Variante des alten nie (nea) wieder zurück.

Und dann die Nordfriesen in Schleswig-Holstein. Die sagen für ‘nie’ heutzutage uler. Sie haben einfach das dänische Wort für ‘nie’, aldrig, genommen und das sprachlich ein bisschen umgeformt.

Und wie steht es um nimmer? Das waren ursprünglich zwei Wörter: nie mehr. Es bedeutete ‘künftig nicht’. Einige Jahrhunderte her mußte man also sagen: ‘ich bin nie weiter als Oldenburg gewesen und ich werde auch nimmer weiter kommen.’

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