Oolde Seelter Woude un Traditionen 2

Henk Wolf, 4.7.2022

In den Monaten Februar, März und April hatte ich fast wöchentlich eine “Sprechstunde” im Mandehuus in Strücklingen. Strücklinger, darunter einige Stammgäste, kamen vorbei um über die Sprache, Kultur und Geschichte des Saterlandes zu erzählen. Einmal ging das Gespräch um saterfriesische Wörter, die mit Krankheit zu tun haben. Einige davon möchte ich hier präsentieren.

Für ‘krank’ kann man auf Saterfriesisch ‘kroank’ sagen, aber auch ‘süük’, was dem Westfriesischen ‘siik’ sehr ähnlich ist. Schmerz ist ‘Piene’, aber in manchen Zusammensetzungen auch ‘Källen’. Zahnschmerzen sind zum Beispiel Käisekällen – das erinnert as Koeskillen, das in der niederdeutschen Mundart von der Provinz Groningen verwendet wird. Interessant dabei ist, dass die friesischen Sprachen nur die vorderen Zähne ‘Tuske’ nennen, die Backenzähne werden ‘Käisen’ genannt.

Die Volkssprache unterschied nicht deutlich zwischen Grippe, Erkältung, Schnupfen und so weiter, das ist auf Saterfriesisch erst und vor allem ‘Ferkoaleräi’. Man kann auch “inne Soch steen häbe” (im Zug gestanden haben). Einen ähnlichen Ausdruck kennen auch die Westfriesen, die haben “kjeld skipe” (Kälte herangeschaufelt). Wenn sie richtig Fieber haben, dann “fiebelje” manche Leute: sie sprechen im Fieberwahn. Auch müssen sie manchmal “späie” (sich übergeben) oder sie bekommen “Skieteräi” oder “Truchtoach” (Durchfall). Unschön ist es auch, wenn man ‘Dulligaid’ oder ‘Fjurrigaid’ bekommt: zwei Wörter für eine Entzündung oder ein Geschwür.

Verschiedene Lungenkrankheiten bei Mensch und Tier, darunter Tuberkulose, werden auf Saterfriesisch ‘Swinsucht’ genannt. Das kann wie ‘Schwindsucht’, aber auch wie ‘Schweinesucht’ gelesen werden. ‘Koolde Bround’ (Kalter Brand) steht im Wörterbuch für ‘Gangrän’, wurde jedoch auch für Krebs verwendet. Und meine Gewährsperson erzählte, dass ein Bekannter, der wegen Corona in die Quarantäne musste, sagte: “Wie häbe de Päst in’t Huus” – und als alle nach einigen Tagen ein negatives Testergebnis hatten: “Die Päst is wier wäch”.

(unter dem Titel “Krankheiten auf Saterfriesisch” auch als Kolumne im General-Anzeiger erschienen)