Revolutionäres Projekt zum Erhalt des Niedersorbischen

Es gibt in Deutschland verschiedene traditionelle Minderheits- und Regionalsprachen. Saterfriesisch ist den Besuchern dieser Website natürlich ein Begriff, daneben gibt es Niederdeutsch, Nordfriesisch, Dänisch, Romanes, Obersorbisch und Niedersorbisch. Diese letzte Sprache, Niedersorbisch, gilt als schwerstbedroht: es gibt noch ein paar Hundert Menschen, die die Sprache fließend sprechen können und als Familiensprache besteht sie so gut wie gar nicht mehr.

Immerhin ist die sorbische Minderheit gut organisiert. Die Mehrheit der Sorben spricht das viel besser erhaltene Obersorbisch, aber auch die Niedersorben sind gut vernetzt und vertreten. Da der Sorbischunterricht in Schulen nicht dazu geführt hat, dass die niedersorbische Sprache wirklich wiederbelebt wurde, haben sorbische Wissenschaftler und Sprachaktivisten den Blick auf Amerika gerichtet. Auf diesem Kontinent ist es sehr kleinen Gemeinschaften mit ein- und zweistelligen Sprecherzahlen, gelungen, ihre Sprachgemeinschaften durch wissenschaftlich begründete Strategien zu verzwanzigfachen.

Diese angewendete Strategie ist Immersion – und nicht im Kindesalter, sondern bei jungen Erwachsenen. In Europa setzten Strategien zur Erhaltung von kleinen Sprachen stark auf Kinder. Diese Strategien scheitern jedoch in der Regel, wenn die Kinder außerhalb der Schule keine Gemeinschaft von Erwachsenen haben, die die Sprache mit Ihnen sprechen. Die Sprache wird ihnen dann nie so vertraut, dass die Kinder zu sprachsicheren Erwachsenen heranwachsen. Am Besten lernen sie, die Sprache gut zu lesen und verstehen.

Motivierte Erwachsene können eine Sprache auch noch sehr wohl erlernen, vor allem, wenn sie dies durch Übung machen können – wenn sie also in die Sprache „eintauchen“. Sie sind oft motivierter und lernfähiger als Kinder und können als Schlüsselfiguren in der Sprachgemeinschaft und als junge Eltern für Kinder ein Umfeld schaffen, in dem die Sprache aktiv gesprochen wird.

Genau dies wurde in Amerika gemacht und in der Niederlausitz, wo die Niedersorben leben, wird diese Strategie jetzt auch eingesetzt. Etwa zehn junge Erwachsene bekommen die Möglichkeit, ein Jahr lang, fast auf Vollzeit Niedersorbisch zu lernen. Dreißig Stunden der Woche sind sie mit Aktivitäten zum Erlernen der Sprache tätig, ein Jahr lang. Da sie in dieser Zeit keine Einnahmequellen haben, werden ihre Lebensunterhaltungskosten erstattet. Alle können sich anmelden, aber die Projektverwaltung sucht sich die Teilnehmer aus, die für die Wiederbelebung der Sprache die größten Chancen bieten.

Das Projekt wird unter dem Namen Zorja (Morgenröte) durchgeführt. Dieses Jahr und nächstes werden die Lernaktivitäten geplant, die Dozenten herangezogen und die Teilnehmer geworden. 2023 fängt das Immersionsjahr an. Vielleicht ist die Initiative den Friesen ein Vorbild?

Das Projekt kostet etwa 1,5 Millionen Euro und wird aus Fördermitteln vom Bund und vom Land Brandenburg finanziert.

Weitere Infos auf:
https://www.zorja.org/

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