Forschung zur saterfriesischen Sprache

Der Saterfriesischbeauftragte ist Sprachwissenschaftler und beschäftigt sich auch mit der Erforschung des Saterfriesischen. Hierunter wird die Forschung, an der er beteiligt war oder ist, beschrieben.

Verlängerte Adpositionen

Adpositionen sind Wörter wier auf, in, an, durch, die als Präposition, aber auch als Adverb vorkommen. Im Saterfriesischen haben viele dieser Adpositionen zwei Formen. Eine kürzere Form wird verwendet, wenn der Satz eine Veränderung ausdruckt, eine verlängerte, wenn eine unveränderte Situation geschildert wird. So sagt der Saterfriese: “Iek bän appe” (ich bin auf(gestanden)) neben “Ju Sunne gungt ap” (die Sonne geht auf). Das ist interessant, denn andere Sprachen drücken diesen Bedeutungsaspekt auch aus, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Dies kann eine Anweisung dafür sein, dass Veränderung im menschlichen Denken so wichtig ist, dass sie unbewusst Ausdruckweisen dafür in ihrer Sprache suchen.

Eric Hoekstra, Bouke Slofstra und Henk Wolf präsentieren diese saterfriesischen Ergebnisse am 30. Juni 2022 auf der Konferenz Small Languages – Big Ideas in Oldenburg. Nachher werden sie einen Artikel darüber veröffentlichen.

Links:
https://uol.de/f/3/inst/germanistik/konf/slbi2022/Abstract_Slofstra_et_al.pdf

Über Personen reden

Wenn man spricht, kann man nicht alles über das Gesprächsthema erzählen. Es ist im Deutschen üblich, zu sagen, dass man “ein Auto” hat und man wird dabei vielleicht noch die Marke erwähnen, aber Farbe, Alter, letztes Reparaturdatum, Höchstgeschwindigkeit und Anzahl der Sitze werden nur in einer Minderheit der Gespräche und oftmals erst nach Nachfrage angesprochen. Dies kann in anderen Sprachen jedoch anders funktionieren.

Gleiches gilt, wenn man über Personen spricht und es hat den Anschein, dass bei der Erwähnung von Personen im Deutschen andere Bräuche existieren als in den drei friesischen Sprachen. Henk Wolf hat erforscht, was man fast immer sagt, wenn man über eine Person redet und er hat Anweisungen dafür gefunden, dass Geschlecht (“eine Frau” oder “ein Junge” statt “eine Person”) und Erwachsenheit (“eine Frau”) in den friesischen Sprachen, wie auch im Deutschen üblicherweise erwähnt werden, aber das dies in den friesischen Sprachen, anders als im Deutschen, auch für ein hohes Alter gilt, also “ein alter Mann” statt “ein Mann”.

Wolf hat etwa hundert Friesen Fotos beschreiben lassen und seine Erfahrungen mit Personenbeschreibungen in zwei Artikeln zusammengefasst. In einem Artikel fasst er die Daten bezüglich des Alters zusammen. In dem anderen erforscht er, in wie weit existierende Modelle aus der Sprachwissenschaft die friesische Art, Geschlechter zu erwähnen, erklären können. Die beiden Artikel wurden Fachzeitschriften zugesandt und werden der fachgenössischen Überprüfung unterzogen.

Einstufung von Kursen und Lernenden nach dem GER

Europaweit wird der Gemeinsamen Europäïsche Referenzrahmen für Sprachen verwendet um anzudeuten, was das Abschlußnivo von Sprachkursen oder das Beherrschungsnivo von Sprachen bei Individuen ist. Dieser GER eignet sich am besten für ausgebauten Kultursprachen wie Deutsch, Niederländisch oder Spanisch. Für Minderheitensprachen wie Friesisch ist er weniger geeignet, da viele schriftliche und schulische Register in diesen Sprachen kaum oder gar nicht vorhanden sind.

Henk Wolf ist dabei, die laufenden saterfriesischen Sprachkurse im Saterland einzustufen. Dabei hat er probeweise eine für das westfriesische entwickelte Anpassung des GER eingesetzt – den Referinsjeramt Frysk. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Auch hat er westfriesische Grundlagen für einen Sprachtest eingesetzt, mit dem Lernende prüfen können, ob sie das zweite von den sechs Beherrschungsnivos (A2) bereits erreicht haben. Wolf schreibt mit Unterstützung von westfriesischen Kollegen einen Artikel über diese Pionierarbeit.

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