Tagebuch

Henk Wolf, 4.5.2022

Auf Facebook wurde neulich gefragt, was man auf Saterfriesisch für ‘Tagebuch’ sagt. Die Saterländer, die reagierten, waren sich auch nicht so sicher. Einige hatten in den Wörterbüchern nachgeschaut, aber die halfen ihnen nicht weiter. Auf Grund des eigenen Sprachgefühls – für Muttersprachler immer der beste Grund, den es gibt – stellte jemand vorsichtig ‘Degebouk’ vor, er zweifelte jedoch selber noch ein wenig. Andere brachten ‘Daibouk’ und ‘Doagebouk’ vor.

Merkwürdig eigentlich, denn Tagebücher sind nicht gerade exotische Dinger. Sie gehören seit jeher zum Alltagsleben und selbstverständlich haben viele Saterländer im Laufe der Jahrhunderte Tagebücher geführt, sowie man das überall auf der Welt gemacht hat. Ebenso selbstverständlich hat man darüber gesprochen.

In den ausgeschriebenen Tonaufnahmen, die Pyt Kramer und Theo Griep im 20. Jahrhundert gemacht haben, kommen die vorgeschlagenen Formen nicht vor. Es ist jedoch kaum vorstellbar, dass in diesen vielen, vielen Stunden niemals über Tagebücher gesprochen wurde: Kramer hat ja 1,8 Millionen Wörter niedergeschrieben: gut zweimal soviel wie es in der ganzen Bibel stehen!

Und tatsächlich: nach einigem Suchen findet man sie auch. Die alten Saterländer nennten ein Tagebuch ein ‘Tagebook’. Der erste Wortteil sieht Hochdeutsch aus, der zweite Plattdeutsch. Auch Plattdeutschsprecher verwenden dieses Wort manchmal, also wahrscheinlich ist es einfach aus dem damals als etwas gehobener angesehenen Plattdeutsch ins Saterfriesische übernommen worden.

Man kann sich den alten Saterländern anschließen, aber man kann auch ein eigenes saterfriesischen Wort bilden. Man sieht in den Wörterbüchern, dass ‘Dege-‘ nicht so üblich ist. Üblicher sind ‘Deges-‘ und ‘Dai-‘. Da die Westfriesen ‘deiboek’ und die Nordfriesen ‘däibök’ sagen, wäre ‘Daibouk’ im Saterfriesischen vielleicht am besten zu verantworten.

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